“Gesetz” von Sabrina Hohmann, 1998

Konzept und Umsetzung: Katharina Eberl
Zielgruppe: Studierende & alle Kunstinteressierten

Copyright: Universität Augsburg, 1998. Abrufbar unter: https://www.uni-augsburg.de/de/campusleben/musik-kultur/kunstamcampus1/hohmann-von-weizsacker/, Letzter Zugriff am: 03.03.2022.

Zwölf schlichte Stühle säumen die Wiese östlich der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg. Großzügig verteilen sie sich in unterschiedlicher Ausrichtung über die Fläche und haben doch eine Verbindung, einen Kontakt zueinander – sie bilden eine Einheit. Die Installation strahlt eine in sich ruhende Geschlossenheit aus, nicht aber eine Abgeschlossenheit, sondern vielmehr eine einladende Offenheit. Wie entsteht diese Wirkung?
Darüber hinaus ist eine Uni geprägt von Dialog und Gemeinschaft, von LehrStühlen und Forschungseinrichtungen. Sie alle haben im weitesten Sinne Bezug zu Gesetz und Gesetzmäßigkeiten der Welt. Wie stehen die Stühle und der Titel “Gesetz” miteinander in Verbindung? Let´s see!

Spannungsvolle Gegensätze

Lass uns zuerst einmal die Installation vor Ort genauer anschauen:

Stuhl ist nicht gleich Stuhl

Hast du dir schon einmal Gedanken über den Stuhl gemacht, auf dem du gerade sitzt?

  • Wie sieht er aus? Welchen Stil hat er?
  • Aus welchem Material ist er?
  • Welchen Zweck oder welche Funktion erfüllt er?
  • Was sagt der Stuhl vielleicht sogar über dich oder deine Bedürfnisse und Wünsche aus?

„Für Hohmann repräsentiert der Stuhl als einfaches architektonisches Gebilde in seiner Funktion – von Menschen für den Menschen geschaffen – den Menschen selbst. Er kann auf die Abwesenheit oder Anwesenheit des Menschen verweisen“ (Freunscht).

Die Stühle respräsentieren also den Menschen, seine Lebensform und seine spezifischen Strukturen. Diese Strukturen werden durch Gesetze als etwas implizit oder explizit Fest”gesetztes” geprägt.

Setzen. Satz. Gesetz?! – Ein-Blick in die verschiedenen Dimensionen

Die Antwort auf die Frage, ob und wer auf den Stühlen Platz nimmt und welche Bedeutung den Stühlen konkret zukommt, bleibt dir als Betrachter*in überlassen. Mit Blick auf den Titel „Gesetz“ eröffnen sich vielschichtige Assoziationsebenen, die die Komplexität von Individuum und Gesellschaft, Freiheit und regulierenden Mechanismen, Chancengleichheit und -ungleichheit, Commitment und gleichzeitiger Explorationsoffenheit sowie Mensch und Natur bzw. Welt im Allgemeinen thematisieren. Klick dich doch einfach mal durch:

Imaginative Reise durch die Installation

„,Ich will darüber nachdenken, wie schaue ich auf die Welt und das Leben, das mich umgibt‘, beschreibt sie das, was sie in ihrer Arbeit antreibt. Die menschliche Wahrnehmung sei nicht frei von tradierten Vorstellungen, von Nutzendenken und Attributen. ,Da spult oft einfach ein Programm ab‘” (Hohmann, zitiert nach Schneider 2015).

Stell dir vor, du würdest zwischen den Stühlen umherwandern.
Wohin zieht es dich? Würdest du zu einem eher niedrigeren Stuhl oder zu einem höheren gehen? Hättest du den Wunsch auf einem der Stühle Platz zu nehmen?

Dein Stuhl

Einer der Stühle ist “dein Stuhl”. Gehe zu ihm. Was macht ihn aus, was macht ihn speziell zu deinem Stuhl? Was wünscht du dir von deinem Stuhl – jetzt und in der Zukunft? In welcher Verbindung oder vielleicht auch in welcher Distanz soll er zu den anderen Stühlen stehen?

Welche Rolle hat „dein Stuhl“ für dich persönlich, im sozialen Miteinander und in der Gesellschaft, vielleicht sogar im beruflichen Kontext? Ist er ein Anker, der dir Halt gibt, ein Rahmen, der flexibel gefüllt werden kann, etwas, von dem du dich entfernen und wieder nähern kannst? Was macht ein Perspektivenwechsel mit dir und „deinem Stuhl“?

Zum Schluss

Lass dich von deinen Gedanken und Gefühlen zu deinem Stuhl, zu den anderen Stühlen und zu Gesellschaft, Zusammenleben und Gesetz weiter durch das Gelände dieses Kunstwerks treiben. Vielleicht entdeckst du neue Impulse, Fragen und Gedanken…

Über die Künstlerin: Sabrina Hohmann

Sabrina Hohmann wurde 1966 in Ulm geboren und studierte von 1987 bis 1993 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seither arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in den Bereichen Öffentlicher Raum, Skulptur und Installation, Zeichnung und Fotografie.

Mein Name ist Katharina Eberl, ich bin 23 Jahre alt und studiere Kunstpädagogik mit Nebenfach Erziehungswissenschaft im dritten Semester. Mich faszinieren die Stühle und die Installation in ihrer unbestimmten und spannungsvollen Interaktion und Offenheit. Diese verwobenen, spannungsvollen Gegensätze, die Vielschichtigkeit von möglichen Beziehungen und Bedeutungen inspirieren mich. Sie lassen mich immer wieder aufs Neue in das Kunstwerk eintauchen.

Weiteres zum Kunstwerk auf den Seiten der Universität Augsburg: https://www.uni-augsburg.de/de/campusleben/musik-kultur/kunstamcampus1/hohmann-von-weizsacker/


Quellen

Bildquellen